Gigantenduell der Schwergewichte
Die hohe Kunst des Schwergewichtsboxens bekamen die Zuschauer am 13. Dezember 2005 in der Freizeit Arena in Sölden zu sehen. Unter den Augen von Universum-Boss Klaus-Peter Kohl fighteten Vladimir Virchis aus der Ukraine und der Brite Michael Sprott ohne Rücksicht auf Verluste um den Interkontinental-Titel der WBO. Dass der Sieger am Ende Virchis hieß, schmeckte dem Großteil des Publikums in Sölden gar nicht.

Vladimir Virchis bleibt Interkontinental-Champion der WBO.

Michael Sprott war der Liebling des Publikums in Sölden.
Von Beginn des Kampfes an machte der frühere EU-Meister Sprott deutlich, dass er alles daran setzen wollte, um Virchis dessen Meistergürtel zu entreißen. Blitzschnell schossen seine Jabs an den Kopf des Ukrainers. Wenn dieser seinerseits versuchte, Treffer zu landen, konterte der Brite geschickt. Zur Mitte des Kampfes war es der Gong, der den Ukrainer nach mehreren brachialen Schlägen vom nahe scheinenden Knock-out rettete.

Sprott gegen Virchis war tolles Schwergewichtsboxen.
Mit diversen Showeinlagen hatte Sprott auch das Publikum auf seine Seite gebracht, was allerdings Virchis nicht aus der Ruhe brachte. Er kämpfte seinen gewohnten Stil, steckte die Schläge seines Gegners mit erstaunlicher Gleichmütigkeit weg und brachte selbst einige schöne Kombinationen ins Ziel, wenngleich diese nicht so spektakulär wirkten wie jene von Sprott. Dass sie am Ende zum einstimmigen Punktesieg reichen sollten, konnten sich in der Halle nur wenige vorstellen. Allerdings übersahen die Zuschauer dabei, dass ein Titelverteidiger eben mit einem entsprechenden Bonus in den Ring steigt. Und der war ohne Zweifel ein Mitgrund dafür, dass Virchis mit 115:113, 116:113 und 115:113 die Oberhand behielt - was vom Publikum mit einem Pfeifkonzert quittiert wurde.
In weiteren Schwergewichtskämpfen besiegte Denis Boytsov aus Russland Zoltan Petranyi aus Ungarn durch Knock-out in Runde zwei, Egon Roth musste gegen den Argentinier Luis Oscar Ricail über die vollen angesetzten acht Runden gehen, um einen Punktesieg zu landen.
Weiters besiegte die kleine Frohnatur Susi Kentikian die Russin Maria Kriwoschapkina ebenso nach Punkten wie Lukas Wilaschek den Weißrussen Siarhei Navarka und Mahir Oral den Rumänen Josef Balazs. Denis Inkin aus Russland ging mit Valentin Antonio Ochoa bis zur fünften Runde, ehe er durch Technischen Knock-out triumphierte.

Erfolgtrio: Manfred Dimter, Freddy Chura und Boris Jurgec (von links).

Joe Mayo suchte in Sölden verzweifelt nach seiner Linie.
Unterschiedlich fällt die Bilanz der Eurosport-Fightnight in Sölden für die beiden Pro-Boxing-Austria-Profis aus. Freddy Chura lieferte gegen Sergey Tushnolobov neuerlich den Beweis seines riesiegen Talents. Er entledigte sich seines Gegners bereits nach 2:20 Minuten der ersten Runde. Joe Mayo hingegen fand gegen den Weißrussen Sergey Shnip nie in den Kampf. Völlig konzeptlos ging er auf seinen Gegner los und fing sich in acht Runden gleich vier Cuts ein. "El Indio" gewann zwar einstimmig nach Punkten, war sich nach dem Kampf aber bewusst, dass sein diesjähriger Auftritt in Sölden alles andere als berauschend war.

Halbschwergewichts-Weltmeister Zsolt Erdei saß mit Gattin im Publikum.

Ex-Weltmeister Istvan "Koko" Kovacs feierte seine Premiere als Ringrichter.
Die Ergebnisse:
WBO Int. Heavyweight Championship:
Vladimir Virchis W12 Michael Sprott
(115:113, 116:113, 115:113)
Heavyweight:
Denis Boytsov KO2 (2:58) Zoltan Petranyi
Super Middleweight:
Denis Inkin TKO5 (2:40) Valentin Antonio Ochoa
Super Middleweight:
Lukas Wilaschek W6 Siarhei Navarka
(60:54, 60:54, 60:54)
Jr. Flyweight:
Susi Kentikian W6 Maria Kriwoschapkina
(60:54, 60:54, 60:54)
Heavyweight:
Egon Roth W8 Luis Oscar Ricail
(80:72, 80:72, 80:72)
Jr. Welterweight:
Freddy Chura TKO1 (2:20) Sergey Tushnolobov
Welterweight:
Joe Mayo W8 Sergey Shnip
(78:74, 79:73, 79:73)
Middleweight:
Mahir Oral W8 Josef Balazs
(80:72, 80:72, 80:72)